Ratgeber · 2026-08-18

Barrierefreiheit: Was das BFSG für Ihre Website bedeutet

Seit dem 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit für viele digitale Angebote kein nettes Extra mehr, sondern eine rechtliche Frage. Kleine Unternehmen fragen sich deshalb: Muss meine Website jetzt komplett barrierefrei sein, oder betrifft das nur große Shops? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf Angebot, Zielgruppe und Funktionen an — aber ignorieren sollten Sie das Thema nicht.

Illustration eines kleinen Unternehmens, das eine Website auf Barrierefreiheit und BFSG-Pflichten prüft

Was regelt das BFSG für Websites?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, kurz BFSG, setzt in Deutschland die EU-Richtlinie 2019/882 um. Ziel ist, bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher barrierefrei zugänglich zu machen. Laut Gesetz gilt der Anwendungsstart für relevante Produkte und Dienstleistungen nach dem 28. Juni 2025. Für Websites wird es besonders dann wichtig, wenn darüber digitale Dienstleistungen für Verbraucher angeboten werden.

Das BFSG sagt nicht einfach: Jede Firmenhomepage muss ab sofort perfekt sein. Es schaut auf konkrete Leistungen, etwa elektronischen Geschäftsverkehr, bestimmte Bank-, Telekommunikations-, Personenbeförderungs- oder Mediendienste. Für viele KMU ist deshalb die zentrale Frage nicht „Website ja oder nein", sondern: Können Verbraucher über die Website kaufen, buchen, Verträge schließen oder eine digitale Dienstleistung nutzen?

Welche Unternehmen sind von der Barrierefreiheits-Pflicht betroffen?

Betroffen sein können Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen im Anwendungsbereich des BFSG an Verbraucher anbieten. Typische Website-Fälle sind Online-Shops, Buchungsstrecken, Kundenportale, digitale Vertragsabschlüsse oder andere Funktionen des elektronischen Geschäftsverkehrs. Eine reine Visitenkarten-Website ohne Abschluss- oder Buchungsfunktion ist rechtlich anders zu bewerten als ein Shop mit Warenkorb und Checkout.

Wichtig ist auch die Ausnahme für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen. Gemeint sind in der Regel Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Diese Ausnahme ist kein Freibrief für schlechte Bedienbarkeit, aber sie kann rechtlich relevant sein. Wer an Verbraucher verkauft oder stark wächst, sollte die eigene Situation sauber prüfen lassen.

  • Relevant seit: 28. Juni 2025
  • Besonders prüfen: Shop, Online-Buchung, Login, Vertragsabschluss, digitale Verbraucher-Dienstleistung
  • Kleinstunternehmen können bei Dienstleistungen ausgenommen sein
  • Im Zweifel: rechtliche Einordnung durch Datenschutz- oder Rechtsberatung

Was bedeutet barrierefrei technisch konkret?

Barrierefreiheit heißt nicht, dass eine Website kompliziert oder hässlich wird. Es bedeutet, dass Menschen sie wahrnehmen, bedienen und verstehen können — auch mit Screenreader, Tastatur, Vergrößerung, Farbsehschwäche oder motorischen Einschränkungen. Praktisch orientieren sich viele Prüfungen an WCAG-Kriterien: klare Struktur, ausreichender Kontrast, bedienbare Formulare, sichtbarer Fokus, verständliche Fehlermeldungen und robuste HTML-Auszeichnung.

Für kleine Unternehmen sind die wichtigsten Punkte oft sehr bodenständig. Der Kontaktbutton muss per Tastatur erreichbar sein. Formularfelder brauchen sichtbare Labels. Bilder mit Inhalt brauchen Alt-Texte. PDF-Speisekarten oder Preislisten sollten nicht die einzige Informationsquelle sein. Texte müssen lesbar sein, auch mobil. Das ist nicht nur Recht, sondern normale Website-Qualität.

Welche Website-Funktionen sollten KMU zuerst prüfen?

Starten Sie dort, wo Kunden Geld ausgeben oder Kontakt aufnehmen. Ein nicht bedienbarer Checkout, ein blockierendes Cookie-Banner oder ein unverständliches Buchungsformular verursacht mehr Risiko als ein dekoratives Bild ohne Alt-Text. Prüfen Sie die echten Wege Ihrer Kunden: Google-Ergebnis öffnen, Leistung verstehen, Preis oder Termin finden, Anfrage senden, Bestätigung erhalten.

Besonders kritisch sind Drittanbieter-Tools. Buchungssysteme, Bewertungswidgets, Karten, Zahlungsanbieter oder eingebettete Formulare müssen ebenfalls nutzbar und datenschutzrechtlich sauber eingebunden sein. Wenn eine externe Lösung die Tastatur blockiert oder Fehlermeldungen nur farblich markiert, liegt das Problem trotzdem auf Ihrer Website. Gute Anbieter dokumentieren Barrierefreiheit und stellen Informationen bereit.

  • Navigation und mobile Menüs
  • Kontaktformular, Terminbuchung und Checkout
  • Cookie-Banner und Consent-Tools
  • PDFs, Preislisten, Speisekarten und Downloads
  • Externe Widgets für Karten, Bewertungen, Zahlung oder Buchung

Was droht, wenn eine betroffene Website nicht barrierefrei ist?

Das BFSG sieht Marktüberwachung durch die zuständigen Behörden vor. Dienstleistungserbringer müssen nach § 14 BFSG bestimmte Barrierefreiheitsanforderungen erfüllen und Informationen in barrierefreier Form bereitstellen. Bei Verstößen kommen Korrekturmaßnahmen, Untersagungen und Bußgelder in Betracht. § 37 BFSG enthält Bußgeldvorschriften; je nach Verstoß können Beträge bis zu 100.000 Euro möglich sein.

Für die meisten kleinen Firmen ist aber nicht nur das Bußgeld das Problem. Beschwerden, schlechte Nutzererfahrung, verlorene Anfragen und hektische Nachbesserungen kosten ebenfalls Geld. Wer erst nach einer Beanstandung reagiert, arbeitet unter Druck. Sinnvoller ist ein nüchterner Check: Bin ich betroffen? Welche Kernprozesse sind kritisch? Was lässt sich mit überschaubarem Aufwand beheben?

Wie gehen Sie die BFSG-Prüfung pragmatisch an?

Machen Sie zuerst eine Funktionsliste: Verkaufen, buchen, bezahlen, anmelden, downloaden, Kontakt aufnehmen. Dann markieren Sie, welche Funktionen für Verbraucher bestimmt sind und welche externen Tools beteiligt sind. Danach kommt der technische Schnelltest: Kontrast prüfen, Tab-Navigation testen, Formulare ausfüllen, Fehlermeldungen ansehen, Alt-Texte kontrollieren und PDFs hinterfragen.

Bei einer neuen Website sollte Barrierefreiheit von Anfang an in Konzept, Design und Umsetzung stecken. Nachträgliches Reparieren ist oft teurer, besonders bei alten WordPress-Themes oder Baukästen mit wenig Kontrolle. In unseren Website-Abos achten wir auf saubere Grundstruktur, mobile Bedienbarkeit, klare Formulare und lokale, datenschutzarme Technik. Für einfache Auftritte startet das ab 79 Euro monatlich; zusätzliche SEO-, Shop- oder Buchungsfunktionen sollten direkt barrierearm geplant werden.

Wann lohnt sich ein Relaunch statt einzelner Korrekturen?

Einzelne Fehler lassen sich oft schnell beheben: Farben anpassen, Fokus sichtbar machen, Labels ergänzen, Buttontexte verbessern. Wenn die Website aber technisch veraltet ist, auf Tabellenlayouts basiert, ein altes Theme nutzt oder wichtige Komponenten nicht zugänglich gemacht werden können, wird Flickwerk teuer. Dann ist ein Relaunch manchmal die wirtschaftlichere Lösung.

Die Entscheidung sollte nicht aus Angst fallen, sondern anhand von Aufwand und Nutzen. Eine barriereärmere Website hilft älteren Kunden, mobilen Nutzern, Suchmaschinen und Ihrem Team. Wenn Sie ohnehin neue Leistungen, Online-Buchung oder Shop-Funktionen planen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Barrierefreiheit nicht als Zusatz, sondern als Basisanforderung zu behandeln.

Häufige Fragen

Muss jede Website ab 2025 barrierefrei sein?

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Gilt das BFSG auch für kleine Unternehmen?

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Welche Strafe droht bei Verstößen gegen das BFSG?

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Reicht ein Accessibility-Plugin in WordPress?

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Wie starte ich mit der Prüfung meiner Website?

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